Mediävistik

Gegenstand der Germanistischen Mediävistik sind die deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters sowie der Frühen Neuzeit in ihren europäischen Bezügen. Die Mediävistik ist ein traditionelles Grundlagenfach der Germanistik, das seine besondere Bedeutung heute durch eine von jeher interkulturelle Perspektive und interdisziplinäre Offenheit, aber auch durch seinen spezifischen Beitrag zu methodischen und theoretischen Fragen der allgemeinen Literaturwissenschaft und Kulturgeschichte gewinnt. Die Andersartigkeit und Fremdheit älterer Texte stellt die modernen Geistenwissenschaften vor besondere Herausforderungen und verlangt innovative Methoden. Sie fordert von Forschenden wie Studierenden die Aufgeschlossenheit ein, scheinbar selbstverständliche Kategorien des Wahrnehmens, Verstehens und Deutens zu relativieren, und bietet so die Chance, in der Begegnung mit einer vergangenen Kultur die eigene Kultur mit neuen Augen zu sehen und sie als gewachsenes Produkt eines so komplexen wie faszinierenden historischen Prozesses zu verstehen – eine unverzichtbare Voraussetzung für alle, die die deutsche Sprache, Literatur und Kultur in den Berufsfeldern, die sich germanistischen Absolventinnen und Absolventen eröffnen, professionell vermitteln möchten.

 

Das Studium des Teilfachs Mediävistik ist an der Universität Lausanne in der 1. und 2. Phase des Bachelorstudiums für alle germanistischen Studiengänge obligatorisch und steht darüber hinaus bis zum Master als Wahlfach offen.Die Studierenden erwerben die sprachlichen Grundkenntnisse, die ihnen den direkten Zugang zu den Quellen ermöglichen; vorhandene Übersetzungen mittelalterlicher Texte in die Gegenwartssprache werden gezielt als kritisch zu benutzende Verständnishilfen (und nicht als Ersatz für die Originale) herangezogen. Einen Schwerpunkt namentlich in der 1. Studienphase bilden die Texte der „klassischen“ Zeit um 1200, in der 2. Studienphase weitet sich das Spektrum auf Werke des frühen oder späten Mittelalters. Ein jedes Semester angebotener „cours-séminaire“ erschliesst in textübergreifender Perspektive gezielt bestimmte historische Epochen oder methodische Problemfelder.

 

Bedingt durch die besondere Position der Lausanner Germanistik im französischsprachigen Umfeld sind viele Studierende frankophon oder besitzen sehr gute Kenntnisse des Französischen. Für die Lehrveranstaltungen im Studienbereich der germanistischen Mediävistik bedeutet diese Situation einen Lernvorteil, denn die deutschsprachige Kultur des Mittelalters lässt sich vor dem Hintergrund der einflussreichen französischen Hofkultur des gleichen Zeitraums am besten verstehen. Zugleich versuchen die mediävistischen Lehrveranstaltungen in Lausanne der besonderen Sprachsituation Rechnung zu tragen und sie als Vorteil zu nutzen, indem in Zusammenarbeit mit dem Fach Linguistik die Distanz der Studierenden zum Deutschen als erlernter Sprache durch Einsatz von Erkenntnisse der Varietätenlinguistik bei der Vermittlung von Grundkenntnissen der mittelhochdeutschen Sprache nutzbar gemacht wird.

 

Die germanistische Mediävistik wird in Lausanne durch drei Mitarbeiterinnen vertreten. Barbara Fleith, MER, unterrichtet die jedes Semester angebotene „Einführung in die Literatur und Kultur des Mittelalters“ für die 1. Studienphase des Bachelors. Christine Putzo, MER, gestaltet die mediävistischen Lehrveranstaltungen der 2. Bachelor-Studienphase sowie des Masters und ist Ansprechpartnerin für die Studienplanung, für Prüfungen und andere organisatorische Fragen in diesem Studienbereich. Das Studienangebot jedes Semesters ist jeweils dem kommentierten Vorlesungsverzeichnis der Faculté des lettres und für die Veranstaltungen von Christine Putzo auch den Ankündigungen auf ihrer Webseite zu entnehmen.

 

Die Germanistische Mediävistik ist Teil des interdisziplinären Centre d’études médiévales et post-médiévales der Universität Lausanne. Sie ist in zwei fächerübergreifende Spezialisierungsstudiengänge eingebunden: in den Master-Studiengang „Culture, civilisation et résurgences du Moyen-Age“ (Ansprechpartnerinnen: Barbara Fleith und Christine Putzo) sowie in den Master-Studiengang „Histoire du livre et édition critique des textes“ (Ansprechpartnerin: Christine Putzo). Ein intensiver Austausch besteht auch mit den germanistisch-mediävistischen Abteilungen der Nachbaruniversitäten FribourgGenf und Neuchâtel.

 

Auf der Webseite der Section d’allemand und auch im Webangebot der Mitarbeiterinnen finden Sie verschiedene Hilfsmittel zum Studium der Mediävistik. Wir empfehlen Ihnen die Leseliste der Section, die auch Lektürevorschläge zur deutschsprachigen Literatur des Mittelalters enthält, die Broschüre „Schriftliche Arbeiten in der Literaturwissenschaft“ sowie die von Christine Putzo erstellten Merkblätter zu Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens und zur Prüfungsvorbereitung. (Das Passwort zum Abruf der Merkblätter ist auf dem Gang der Section d’allemand im 4. Stock des bâtiment Anthropole ersichtlich.) Darüber hinaus sei besonders auf das mediävistische Internetportal „Mediaevum“ verwiesen, das eine Fülle von geprüften Verweisen auf verlässliche Informationen und Hilfsmittel für das mediävistische Studium bietet.

 

Informationen zu aktuellen Forschungsprojekten und Publikationen der Lausanner Germanistischen Mediävistik finden Sie auf den Webseiten der Mitarbeiterinnen.

 

Wir laden Sie herzlich ein, die faszinierende Kultur des Mittelalters gemeinsam mit uns zu entdecken und freuen uns, Sie bald in einer unserer Lehrveranstaltungen zu begrüssen!

Schriftliche Arbeiten in der Literaturwissenschaft

Diese Einführung gibt Hinweise zum praktischen Vorgehen einer Seminararbeit in der neueren deutschen Literatur und der Mediävistik.

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